Hype und Erwartungen |
TeichDragon
Der wo frickelt...
    

Dabei seit: 11.10.2006
Beiträge: 12.376
Herkunft: Main-Taunus-Kreis
 |
|
Ausgelöst durch Pat dank seiner Rezension von Richard Morgans - The Steel Remains, sowie der darauf folgenden Email-Diskussion mit Simon Spanton, Richard Morgans Editor bei Gollancz hat sich eine recht interessante Diskussion bzgl. Hype und den Erwartungen an ein Buch entwickelt.
Auch OF Blog of the Fallen hat sich dazu einige Gedanken gemacht:
| Zitat: |
What really struck me about this exchange was the constant referencing of other authors and other reviewers (even if names were removed). This part of Pat's second response is rather telling:
| Zitat: |
When the advance praise from Joe and Darrin came, we were all salivating! Then the blogger reviews went up, and things reached a new level of excitement. I'm not saying that those bloggers wrote false or exagerated reviews. But I think that in their excitement, they may have, consciously or unconsciouly, overlooked some of the story's shortcomings. I'm guilty as charged of having done that in the past concerning titles that I was really looking forward to, and I was called out on it. Nothing wrong with that. We are only human, after all, and sometimes we really want some books to be so damn good. Just to give you an example, though he wrote a glowing review, [name withheld] came out and said that TSR had nothing on Altered Carbon and Black Man. I believe that, had I read it when you initially sent me the ARC, I would probably have enjoyed it more. As it is, all those positive reviews made my own expectations go up a few notches (and they were high to begin with), and in the end no novel could have met those expectations. . .
We, as readers, in a way create and magnify the hype. We want this book to be great, and when reviews keep telling us that it is, well we just keep hoping for more, and more. So I'm not saying that you and the folks at Gollancz did anything wrong. Man, you're riding that wave for all its worth, and so you should! We rarely [see] such a buzz for a book, especially when you're not named Martin, Gaiman, or Jordan. So I see nothing wrong in the way you guys played your card. And I don't think anyone of those bloggers can be blamed of anything but overexcitement at the thought of finally reading that new Morgan fantasy book. |
Might as well say that it's all just cogs in the publicity machine, huh? That or just stop worrying so much about the "hype" aspect of this or that. Other people are going to see things the best they can in their own lights and while I want to agree with Pat that people sometimes get too excited, I cannot, as it seems (and I certainly hope this is just only a misleading impression) that Pat was being a bit dismissive of other opinions there. I know that when I comment on a book, I can only speak for myself and the few times that I started to sound as though I was speaking for others, I got smacked pretty good for it (and appreciated it later when I thought about it). |
Die ganze Diskussion hat eigentlich für mich 2 Ebenen.
Zum einen, wie stark wird man vom Hype beeinflußt - steigen die Erwartungen dann ins Unermessliche? Und beurteilt man ein Buch ggf. schlechter, weil es von Gott und der Welt hochgelobt wird?
Geht man kritischer an die Sache heran?
Und wie sehr ist die (englischsprachige) Blogo-Sphäre eigentlich schon in das Räderwerk der Verlage eingebunden? Erwartet uns hier so etwas auch?
Gedanken dazu???
__________________ Do not meddle in the affairs of dragons, for you are crunchy and taste good with ketchup.
|
|
16.06.2008 20:17 |
|
|
maschine
Dwarf of the Dance
   

Dabei seit: 11.10.2006
Beiträge: 8.576
Herkunft: Hagen
 |
|
Wobei ja aber, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, der Hype eben NICHT vom Verlag/Publisher ausging, sondern von den Bloggern selbst, die wohl im Vorfeld eine gewaltige Erwartungshaltung aufgebaut hatten.
In einer seiner ersten Mails sagt Spanton sogar, dass künstlich erzeugter Hype (oder gar Hype allgemein?) einfach nicht funktioniert.
Wobei da für mich das Interessante wäre, wie er zu dieser Bewertung kommt..oder genauer gesagt, wie die Zahlen aussehen.
Es kann ja schließlich auch einfach sein, dass die Blogs eben dann doch nicht soviele Käufer erreichen, wie man dachte. Was ja dann eigentlich nur bedeutet, dass Hype durchaus funktionieren mag, man nur eben mehr Leute erreichen muss als die paar, die (Fantasy-)Blogs lesen.
__________________ 'Tis the season to be jolly...and other things ending in olly.
Gerade am Lesen dran:
The Ultimate Hitchhiker's Guide von Douglas Adams
Historien von Herodot
|
|
16.06.2008 20:58 |
|
|
nördler
Rätselkönig der Herzen
 

Dabei seit: 14.11.2007
Beiträge: 4.776
Herkunft: Dangastermoor
 |
|
Oh ja, für mich spielt sowas - ganz subjektiv - mit Sicherheit eine große Rolle. Und das fängt auch schon hier im Forum an: ich hätte den Bakker vielleicht anders gelesen, hätte ich nicht eine hohe Erwartungshaltung durch hiesige Kommentare gehabt.
Und bei Genre-nerds, die wir ja teilweise sind
ist es doch oft so, daß zu großer Hype sofort eine Gegenreaktion hervorruft, weil man einen gewissen Stolz hegt und pflegt, ein Nischengenre zu bedienen...
Soviel in der Halbzeitpause
nö
__________________

|
|
16.06.2008 21:40 |
|
|
elora

...die mit den VIER blauen Punkten...
 

Dabei seit: 21.01.2007
Beiträge: 12.409
Herkunft: Berlin
 |
|
| Zitat: |
Original von nördler
Und bei Genre-nerds, die wir ja teilweise sind
ist es doch oft so, daß zu großer Hype sofort eine Gegenreaktion hervorruft, weil man einen gewissen Stolz hegt und pflegt, ein Nischengenre zu bedienen...
|
Sehr schön beobachtet!
__________________ Derzeitige Lektüre: American Goods - Neil Gaiman/Karsten Singelmann
|
|
16.06.2008 21:50 |
|
|
Pegasus

kafkaesk
 

Dabei seit: 06.08.2007
Beiträge: 2.945
Herkunft: Berlin
 |
|
Generell reagiere ich auf Hypes eher mit Ablehnung (Ausnahmen bestätigen die Regel) und gehe, wenn überhaupt, an über den Klee gelobte Werke mit einer gehörigen Portion Skepsis heran.
Auf Forumos-Hypes reagiere ich eher mit Neugierde und gehe an über den Klee gelobte Werke (allerdings über einige Recherche) mit wenig(er) Skepsis heran.
|
|
16.06.2008 22:20 |
|
|
TeichDragon
Der wo frickelt...
    

Dabei seit: 11.10.2006
Beiträge: 12.376
Herkunft: Main-Taunus-Kreis
 |
|
Okay, der "Hype" an sich scheint mal auf Probleme zu treffen.
Kann es sein, das Accacia deshalb auch von vielen nicht mit mehr Punkten bewertet wurde, weil der "Druck" für dieses Buch so hoch war?
Hier in D habe ich bisher so gut wie keine ARC-Rezensionen gesehen.
Aber glaubt Ihr, das ist im englischen Sprachraum eher etwas Gutes was das Buch, oder eher schlecht? Würdet ihr gerne Reviews lesen von Büchern, die erst in mehreren Monaten herauskommen?
(Mal davon abgesehen, dass das für die englischen Originale sowieso der Fall ist - also bleiben wir mal bei deutschen Büchern...)
__________________ Do not meddle in the affairs of dragons, for you are crunchy and taste good with ketchup.
|
|
16.06.2008 23:06 |
|
|
Lilithan

phantasmagorisch
 

Dabei seit: 24.04.2007
Beiträge: 3.398
Herkunft: Berlin
 |
|
| Zitat: |
Original von TeichDragon
Würdet ihr gerne Reviews lesen von Büchern, die erst in mehreren Monaten herauskommen?
(Mal davon abgesehen, dass das für die englischen Originale sowieso der Fall ist - also bleiben wir mal bei deutschen Büchern...) |
Nein! Mich stört es schon, dass ich weiss, was im Frühjahr 2009 rauskommt und sich bei mir so ein "will-ich-jetzt-sofort-haben"-Gefühl einstellt. Zudem weiss ich auch gar nicht mehr, was in einer Rezension stand, die ich vor Wochen gelesen habe, es sei denn, ich werde mit Lobhudelein regelrecht bombadiert.
Zum Thema Hype:
Da gilt es schon, zu differenzieren, was künstlich von Verlagen aufgeblasen wird, was von Millionen mehr oder minder belesener Fans, was gehypt wird, weil es wirklich gut ist und was von der Sorte Kritiker in den Himmel gelobt wird, die alles toll finden, was sie nicht verstehen.
Wurde um die Völkerromane kein Hype veranstaltet? Oder um "Biss zum Wasauchimmer"? Und kann man diesen Hype mit dem vergleichen, der um den Windsnamen gemacht wird?
Ich persönlich achte daher eher weniger auf Hypes an sich, als eher auf jene, die diesen kreiieren.
__________________ Gegner bedürfen einander oft mehr als Freunde, denn ohne Wind gehen keine Mühlen.
Hermann Hesse
|
|
16.06.2008 23:17 |
|
|
TeichDragon
Der wo frickelt...
    

Dabei seit: 11.10.2006
Beiträge: 12.376
Herkunft: Main-Taunus-Kreis
 |
|
| Zitat: |
Original von Lilithan
Da gilt es schon, zu differenzieren, was künstlich von Verlagen aufgeblasen wird, was von Millionen mehr oder minder belesener Fans, was gehypt wird, weil es wirklich gut ist und was von der Sorte Kritiker in den Himmel gelobt wird, die alles toll finden, was sie nicht verstehen.
Wurde um die Völkerromane kein Hype veranstaltet? Oder um "Biss zum Wasauchimmer"? Und kann man diesen Hype mit dem vergleichen, der um den Windsnamen gemacht wird?
Ich persönlich achte daher eher weniger auf Hypes an sich, als eher auf jene, die diesen kreiieren. |
Wobei ich hier noch gerne zwischen dem "Blog-Hype" und dem "normalen Hype" differenzieren würde. Wobei ersterer bei uns in D. halt (noch) nicht bekannt ist...
__________________ Do not meddle in the affairs of dragons, for you are crunchy and taste good with ketchup.
|
|
16.06.2008 23:34 |
|
|
maschine
Dwarf of the Dance
   

Dabei seit: 11.10.2006
Beiträge: 8.576
Herkunft: Hagen
 |
|
| Zitat: |
Original von TeichDragon
Okay, der "Hype" an sich scheint mal auf Probleme zu treffen.
Kann es sein, das Accacia deshalb auch von vielen nicht mit mehr Punkten bewertet wurde, weil der "Druck für dieses Buch so hoch war?
Hier in D habe ich bisher so gut wie keine ARC-Rezensionen gesehen.
Aber glaubt Ihr, das ist im englischen Sprachraum eher etwas Gutes was das Buch, oder eher schlecht? Würdet ihr gerne Reviews lesen von Büchern, die erst in mehreren Monaten herauskommen?
(Mal davon abgesehen, dass das für die englischen Originale sowieso der Fall ist - also bleiben wir mal bei deutschen Büchern...) |
Ich glaube man muss da auch sehr stark zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Raum unterscheiden.
Denn ich wage zu behaupten, dass es, zumindest im Bezug auf Fantasy, eine deutsche "Blogosphäre" schlicht und einfach nicht gibt.
Es gibt eine handvoll Foren wie dieses hier, ein paar Review-Seiten...aber das ist nunmal etwas anderes als ein Blog: die Seiten bieten eher Datenbanken, setzen also kein Spotlight auf bestimmte Bücher (erst recht, wenn sie noch nicht erschienen sind), und Foren richten sich halt primär an die Leute, die dort aktiv sind, das heißt der Kreis ist sehr begrenzt, und die Tips erreichen dort eigentlich auch nur die, die mehr oder weniger regelmäßig mitlesen.
Im Gegensatz dazu ist ein Blog einfach viel besser dazu geeignet, ein bestimmtes Buch zu "hypen", ins Rampenlicht zu stellen, vor allem auch für Leute, die nur gelegentlich mal vorbeischauen.
Aber solche Blogs (um richtig effektiv zu sein braucht man mMn schon ein kleines Netzwerk, denn sonst ist es halt immer nur die Meinung eines einzelnen) sind mir für den deutschen Bereich einfach nicht bekannt...
(Molo in allen Ehren, aber sein doch ausgefallener Geschmack eignet sich mMn einfach nicht zum "Hypen", und Frank, der Reitersmann und andere gehen die Sache ja eigentlich auch mehr von den Hintergründen her an (soweit ich das überblicke)).
Von daher dürfte Hype in Deutschland eben doch mehr über Vermarktungsstrategien ablaufen als aus der "Community" (die es hier eben im Singular nicht gibt) kommen.
__________________ 'Tis the season to be jolly...and other things ending in olly.
Gerade am Lesen dran:
The Ultimate Hitchhiker's Guide von Douglas Adams
Historien von Herodot
|
|
16.06.2008 23:42 |
|
|
maschine
Dwarf of the Dance
   

Dabei seit: 11.10.2006
Beiträge: 8.576
Herkunft: Hagen
 |
|
| Zitat: |
Original von TeichDragon
Wobei ich hier noch gerne zwischen dem "Blog-Hype" und dem "normalen Hype" differenzieren würde. Wobei ersterer bei uns in D. halt (noch) nicht bekannt ist... |
*dem Drachen gegens Schienbein tret*
In zwei Sätzen...
In ZWEI Sätzen...
Grmpf
__________________ 'Tis the season to be jolly...and other things ending in olly.
Gerade am Lesen dran:
The Ultimate Hitchhiker's Guide von Douglas Adams
Historien von Herodot
|
|
16.06.2008 23:43 |
|
|
TeichDragon
Der wo frickelt...
    

Dabei seit: 11.10.2006
Beiträge: 12.376
Herkunft: Main-Taunus-Kreis
 |
|
| Zitat: |
Original von maschine
| Zitat: |
Original von TeichDragon
Wobei ich hier noch gerne zwischen dem "Blog-Hype" und dem "normalen Hype" differenzieren würde. Wobei ersterer bei uns in D. halt (noch) nicht bekannt ist... |
*dem Drachen gegens Schienbein tret*
In zwei Sätzen...
In ZWEI Sätzen...
Grmpf |
Sorry maschine!!!111
Wobei ich da auch ein bißchen in die Zukunft schiele, denn ich kann mir schon vorstellen, das die Verlage solche Blog-Netzwerke auch gerne hier hätten...
(Ja ich auch, aber für die Verlage wäre das bestimmt auch nett...)
__________________ Do not meddle in the affairs of dragons, for you are crunchy and taste good with ketchup.
|
|
16.06.2008 23:57 |
|
|
Wulfila
Khan der Bärenhorde
 
Dabei seit: 22.01.2007
Beiträge: 4.838
Herkunft: Hamburg
 |
|
| Zitat: |
Original von TeichDragon
Okay, der "Hype" an sich scheint mal auf Probleme zu treffen.
Kann es sein, das Accacia deshalb auch von vielen nicht mit mehr Punkten bewertet wurde, weil der "Druck" für dieses Buch so hoch war?
|
Das kann durchaus sein. Ich sehe das Hype-Phänomen, das du schilderst (bezogen auf solch "kleine" Hypes - ein Riesenhype wie bei Harry Potter ist noch einmal eine Kategorie für sich) allerdings in Zusammenhang mit einer Tendenz, die wir schon in anderen Threads immer wieder angesprochen haben, der nämlich, sich vor dem Bücherkauf sehr gründlich zu informieren, statt sich größtenteils aufs Stöbern im Buchladen zu verlassen.
Natürlich ist das nicht alles, aber ich habe schon den Eindruck, dass viele Leser - zumindest, soweit sie stark im Internet aktiv sind - ohnehin mit sehr spezifischen Erwartungen an Bücher herangehen und gerne vorher recht genau wissen wollen, was bei der Lektüre auf sie zukommt. Das ganz unbelastete Herangehen an ein Buch dürfte zumindest bei Leuten, die in ihrem Leseverhalten stark im Genre verwurzelt sind, seltener sein als bei Gelegenheitslesern.
Ich vermute, dass dadurch die Hype-Anfälligkeit ein wenig steigt und ein Buch quasi eine doppelte Hürde zu nehmen hat: Es muss ohnehin schon in ein recht spezifisches Beuteschema passen, um überhaupt als lesenswert registriert zu werden, so dass dadurch schon die Erwartungen höher sind, als sie es bei einem Spontankauf wären - und wenn dann noch "Szeneautoritäten" ein positives Urteil abgeben, schnellen die Erwartungen ein weiteres Mal nach oben.
Unter diesen Bedingungen ist es für ein Buch schon schwer genug, den Ansprüchen zu genügen, aber dann kommt der Faktor ins Spiel, den Nördler genannt hat - die bewusste Wendung gegen den Hype. Gerade Leute, die sich als anspruchsvolle Nischenleser begreifen, neigen manchmal dazu, Schwächen geradezu zu suchen (hier im Forum war das z.B. an der Diskussion über "The Name of the Wind" ganz gut erkennbar) und dann auch nach außen hin zu demonstrieren, dass sie sich nicht haben beeinflussen lassen, sondern mit klarem Blick den übertriebenen Hype durchschauen.
Neben diesen verschiedenen Erwartungshaltungen und Selbstdarstellungsmechanismen kommt aber noch eines hinzu, das, wie ich finde, in der verlinkten Rezension von Pat ganz gut anklingt: So gut wie jeder genrekundige Leser verliert irgendwann die Fähigkeit, ein Buch für sich allein zu sehen. Ich erinnere mich z.B., dass bei der ganzen Acacia-Debatte immer wieder George R.R. Martin als Vergleichsobjekt herangezogen wurde, oft, um die "Unterlegenheit" von Durham zu beweisen, da Martin angeblich "das Gleiche" schon "besser" gemacht hätte. Natürlich wird ohnehin jeder Mensch von seinen Lektüreerfahrungen geprägt und vergleicht bewusst oder unbewusst mit dem, was er schon kennt, aber innerhalb des Genres wird diese Vergleichssituation forciert - teils von den Verlagen selbst ("Der neue Tolkien!"), teils aber auch durch die zugehörige "Szene" aus Blogs, Foren und dergleichen mehr.
Neben den individuellen Erwartungen, die ein Buch zu erfüllen hat, steht also immer auch sehr viel Konkurrenz, die ein Buch, dass man an und für sich vielleicht gut oder sehr gut gefunden hätte, "kleiner" erscheinen lässt.
Allein am Hype liegt es also nicht, wenn Erwartungen enttäuscht werden, aber er spielt sicher mit hinein.
|
|
17.06.2008 13:03 |
|
|
elora

...die mit den VIER blauen Punkten...
 

Dabei seit: 21.01.2007
Beiträge: 12.409
Herkunft: Berlin
 |
|
@Wulfila
Weißt Du, was das Problem mit Dir ist?
Du formulierst so exakt und bildhaft, dass man dem eigentlich nichts hinzufügen kann...
__________________ Derzeitige Lektüre: American Goods - Neil Gaiman/Karsten Singelmann
|
|
17.06.2008 13:23 |
|
|
mistkaeferl
sechsbeinig
   
Dabei seit: 21.01.2007
Beiträge: 4.201
 |
|
Dazu muß man eigentlich kaum mehr etwas sagen - das faßt die Situation gut zusammen, finde ich
.
Den Fall, daß etwas eine "echte" Enttäuschung wird, die durch den Hype aber nicht fälschlich hervorgerufen wird, sondern vielleicht nur größer ausfällt, gibt es aber trotzdem auch häufig, denke ich (ich rede hier auch vom 'kleinen Hype', also wohlwollenden Worten von den Profis unter den Lesern und so). Wie oft hört man so etwas wie "Ich wollte es wirklich mögen."?
Das ist dann wohl noch immer Geschmacksfrage, und weniger überkritisches Lesen - und das Risiko, etwas zu erwischen, das den eigenen Geschmack nicht trifft, kann vermutlich kein Hype und keine Vorabinformation ganz und gar abschalten (auch wenn man tatsächlich manchmal das Gefühl hat, wir alle hätten das gerne - Risikominimierung auch bei der Lektürewahl und bloß kein Überraschungsei
).
Nur als Hürde würde ich Hype trotzdem nicht sehen - für einen interessierten Leser kann er womöglich auch Hürden abbauen, dafür sorgen, daß man mal etwas liest, das nicht ganz ins übliche Beuteschema fällt, weil einem jemand die Zähne danach lang macht.
Was aber nicht heißt, daß übersteigerte Erwartungen für das Buch dann nicht doch zum Fallstrick werden können. Das Wort "Hype" an sich schließt schon übersteuerte Reaktionen ein, die eine Sache künstlich aufblasen - daneben muß die Wirklichkeit fast schon kleiner aussehen...
Aber rein marketingtechnisch muß jedweder Hype doch erstrebenswert sein. Egal, wie die Leute dann reagieren, will erst einmal jeder mitreden können. Deswegen weiß ich gar nicht, ob man von so manchem vorher als Beispiel genannten Buch überhaupt sagen kann, daß es in Deutschland einen Hype darum gegeben hat. Wir nehmen in dieser kleinen Community wahrscheinlich auch manches überdeutlich wahr. Hier reichen drei, vier Leute, die ein Buch lesen und darüber schreiben, damit das Ding wie ein großes Thema wirkt. Das ist es aber vielleicht außerhalb dieses Forums noch längst nicht...
Gruß vom Käferl
|
|
17.06.2008 13:40 |
|
|
Thjolvar
Routinier
 

Dabei seit: 18.04.2007
Beiträge: 425
Herkunft: Hessen
 |
|
| Zitat: |
Original von Wulfila
Natürlich ist das nicht alles, aber ich habe schon den Eindruck, dass viele Leser - zumindest, soweit sie stark im Internet aktiv sind - ohnehin mit sehr spezifischen Erwartungen an Bücher herangehen und gerne vorher recht genau wissen wollen, was bei der Lektüre auf sie zukommt. Das ganz unbelastete Herangehen an ein Buch dürfte zumindest bei Leuten, die in ihrem Leseverhalten stark im Genre verwurzelt sind, seltener sein als bei Gelegenheitslesern.
[...]
Unter diesen Bedingungen ist es für ein Buch schon schwer genug, den Ansprüchen zu genügen, aber dann kommt der Faktor ins Spiel, den Nördler genannt hat - die bewusste Wendung gegen den Hype. Gerade Leute, die sich als anspruchsvolle Nischenleser begreifen, neigen manchmal dazu, Schwächen geradezu zu suchen (hier im Forum war das z.B. an der Diskussion über "The Name of the Wind" ganz gut erkennbar) und dann auch nach außen hin zu demonstrieren, dass sie sich nicht haben beeinflussen lassen, sondern mit klarem Blick den übertriebenen Hype durchschauen.
|
Dass ist mir bei ein wenig Selbstreflektion über mein Leseverhalten auch aufgefallen. Daraufhin hab ich bewusst versucht meine Gewohnheiten zu ändern und wieder unbedarft an Bücher ranzugehen.
Ich schaue hier im Forum nur noch ob dass Fazit generell positiv war oder nicht und ganz grob worum es in dem Buch thematisch geht. Sämtliche Details in Reviews oder Diskussionen versuche ich jetzt komplett zu überlesen.
Alzu oft habe ich nämlich ein Buch gelesen was hier schon ausfürlich besprochen wurde und mich dann gefühlt als kenne ich alles schon. Besonders schlimm wurde es bei Kritikpunkten. Irgendwie hab ich unbewusst geradezu nach jedem Kritikpunkt gesucht von dem ich gelesen hatte und dann schließlich auch immer gefunden. Von alleine hätte ich mich meistens selten bis nie über solche Punkte gestört... so hat mir die "Vorbelastung" durch die ganzen Reviews einiges an Spaß gekostet. Deshalb versuch ich es jetzt wieder "blind".
|
|
17.06.2008 15:16 |
|
|
Elric
devil inside
 

Dabei seit: 05.02.2007
Beiträge: 2.023
Herkunft: Nürnberg
 |
|
Hm, für mich sind Hypes eigentlich erst mal überhaupt kein Grund mich mit einem Thema zu beschäftigen. Mag jetzt komisch klingen, aber wenn mich die Inhaltsangabe eines Buches nicht interessiert, dann les ich es normalerweise auch nicht - selbst wenn mir haufenweise Leute das Buch ans Herz legen und empfehlen. Es mag da wohl eine Ausnahme geben (kleines Grünes Ding
) aber meistens ist das einfach so.
Was ich auf keinen Fall tue: mir eingehende Kritiken über ein Buch dann genau anzusehen bevor ich mir ein eigenes Bild davon gemacht habe. Bringt eh nix, weil eigentlich jeder ein Buch anders liest! Warum sollte ich mich an Dingen stören, die jemand anderem aufgefallen sind.
(bestes Beispiel: ich finde Markholf Hoffmann richtig gut, andere halt nicht)
Wenn man den "Verlags-Hype" nimmt, dann bin ich da im ersten Moment mal ablehnend - deswegen hab ich auch keinen Harry Potter gelesen oder gesehen.
Außerdem muss ich sagen, dass ich zwar gerne andere Leute von Büchern überzeugen will, die mir gefallen, aber das funktioniert umgekehrt nicht immer. Und ich schaffe es meistens mir meine eigene Meinung zu bilden.
Jetzt hab ich ewig gebraucht und bin zu faul mir das nochmals durchzulesen. Kritik wird gerne genommen.
PS: Danke Teich! Ich hab wieder ein sehr interessantes Thema gefunden!
__________________ Aktuelles Buch: Michael Moorcock - Die Jerry Cornelius Chroniken
|
|
20.06.2008 15:52 |
|
|
|